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Versbuch

Die beiden Engel

Emanuel Geibel · 18151894

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1873

O kennst du, Herz, die beiden Schwesterengel,Herabgestiegen aus dem Himmelreich:Stillsegnend Freundschaft mit dem Lilienstengel,Entzündend Liebe mit dem Rosenzweig?

Schwarzlockig ist die Liebe, feurig glühend,Schön wie der Lenz, der hastig sprossen will;Die Freundschaft blond, in sanften Farben blühend,Und wie die Sommernacht so mild und still;

Die Lieb’ ein brausend Meer, wo im GewimmelVieltausendfältig Wog’ an Woge schlägt;Freundschaft ein tiefer Bergsee, der den HimmelKlar wiederspiegelnd in den Fluten trägt.

Die Liebe bricht herein wie Wetterblitzen,Die Freundschaft kommt wie dämmernd MondenlichtDie Liebe will erwerben und besitzen,Die Freundschaft opfert, doch sie fordert nicht.

Doch dreimal selig, dreimal hoch zu preisenDas Herz, wo Beide freundlich eingekehrt,Und wo die Glut der Rose nicht dem leisenGeheimnißvollen Blühn der Lilie wehrt!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 24, 72. Auflage, Stuttgart (Cotta), 1873
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die beiden Engel (Geibel)“, Fassung 3.587.190 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Emanuel Geibel starb 1894; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1964 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11853811X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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