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Versbuch

Campo Santo

Marie Eugenie Delle Grazie · 18641931

20 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1892

Es thürmten sich die Wolken zu Gewittern,In grauen Dunst gehüllt lag fern’ die See,Durch meine Seele fühlt’ ich’s beben, zitternWie süße Lust, wie unaussprechlich Weh –Es thürmten sich die Wolken zu Gewittern....

Und rings um mich viel blasse Leichensteine,Umrankt vom Grün der Hoffnung üppig-weich,Mir war, als schritt’ auch ich im Zwielicht-ScheineDes Lebens und des Todes, ahnungsbleich –Und rings um mich viel blasse Leichensteine!

Vampyrgleich fühlt’ ich’s mir am Herzen hangen –War’s alte Pein? War’s jungen Glückes Keim?Von bitter-süßer Schwermuth hold umfangen,Schritt ich verflucht und doch gesegnet heim –Vampyrgleich fühlt’ ich’s mir am Herzen hangen!

O weh der Glückesgaben jener Stunden,Verwesungsduftig und gewitterschwül –Nun sagt es mir das Herz mit tausend Wunden,Daß ich geträumt aus einem Leichenpfühl –O weh’ der Glückesgaben jener Stunden!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Italische Vignetten, S. 86, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
Digitalisat
de.wikisource.org — „Campo Santo“, Fassung 3.030.386 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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