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Versbuch

Das Douglas-Trauerspiel

Theodor Fontane · 18191898

84 Zeilen in 21 Strophen · zuerst gedruckt 1905

„Zu Roß, Mylord! Leg Waffen anUnd räch’ unsres Hauses Schmach;Lord William entführt unsre Tochter, –Auf, auf, und den Flüchtigen nach.

Und zu Roß! meine sieben SöhneUnd hinaus, und hinein in die Nacht,Und eurer jüngsten SchwesterHabet besser Acht.“

Lady Douglas rief’s. Sie fuhren all’ auf,Legten Helm und Waffen an:Lord William und Lady MargretDie waren noch kaum von dann.

Er hob sie auf ein milchweiß Roß,Ein Jagdhorn zu Seiten ihm hing,Einen Apfelschimmel bestieg er selbst,Und über die Haid’ es ging.

Oft, über die linke Schulter hinweg,Im Reiten er rückwärts sah,Den Alten und seine SöhneAnsprengen sah er da.

„Steig’ ab, steig’ ab, liebe Lady meinUnd nimm mein Roß an die Hand,Deinem Vater und Deinen BrüdernMuß ich nun halten Stand.“

Sie nahm sein Roß: hernieder rannKeine Thräne auf den Hag,Bis neben ihren BrüdernIhr Vater im Blute lag.

„Halt ein, halt ein, Lord William,Deine Streiche treffen zu schwer,Ich fände wohl manchen Liebsten noch,Einen Vater nimmermehr.“

Sie nahm aus dem Mieder ein weißes TuchVon niederländischem Lein,Sie wusch ihres Vaters Wunden damit,Die waren röter als Wein.

„Nun wähle, lieb Lady, und wähle schnell:Willst Du gehn oder bleiben, sprich!“„„Ich will mit Dir gehn, ich muß mit Dir gehn,Ich habe ja nur noch Dich.““

Er hob sie auf ihr milchweiß Roß,Auf der Haide lag Vollmondschein;Seinen Apfelschimmel bestieg er selbstUnd so ritten sie querfeldein.

Sie ritten feldein bei Mondenschein,Im Schritt halb, halb im Trab;Und als sie kamen an einen Quell,Da stiegen sie langsam ab.

Sie wollten trinken; vorüber rannWie Silber die klare Fluth,Und als sich Lord William bückte,Da wurde sie roth von Blut.

„Halt an, halt an, Lord William,Du bist wund bis auf den Tod!“„„Es ist mein Scharlachmantel,Der scheint im Wasser so roth.““

Sie ritten feldein bei Mondenschein,Im Schritt halb, halb im Trab,Und als sie kamen an sein Schloß,Da stiegen sie langsam ab.

„Steh auf, steh auf, liebe Mutter mein,Steh’ auf und öffne das Thor,Ich hab mein Lieb gewonnenUnd wir halten beide davor.

Und mache mein Bett, liebe Mutter,Und ein zweites dicht daran;Lady Margret muß dicht bei mir sein,Auf daß ich schlafen kann.“

Lord William starb vor Mitternacht,Lady Margret vor Tagesfrüh;Man trug sie nach Sankt Marien hin,Da standen drei Tage sie.

Er wurde begraben im KirchenschiffUnd sie in der Halle vorn,Eine Rose wuchs aus ihrem Grab,Aus seinem ein Hagedorn.

Sie wuchsen hoch am Gewölb entlang,Als wären sie gern sich nah,Und jeder sagte: „zwei Liebende sind’s!“Wer sie so wachsen sah.

Bis endlich der schwarze Douglas kam,Im Herzen Wuth und Weh,Der riß die beiden Sträucher herausUnd schleuderte sie in den See.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 369–372, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Das Douglas-Trauerspiel“, Fassung 1.720.907 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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