Neue Liebe
Frank Wedekind · 1864–1918
16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Du Mädchen in des Lebens vollster PrachtHast mich zu lichtem Flammenmeer entfacht;Das züngelt blutig bis ans Sternenzelt,Von keinem Blick behütet und bewacht.
Und faßt die Flamme nicht die ganze Welt,Wie dich und den, der dich umfangen hält?Ein einz’ger Zwieklang durch den weiten Raum,Der Jubel der vereinten Schöpfung gellt.
Vergangenheit wird uns ein düstrer Traum,Am Horizont ein schwarzer Wolkensaum;Doch auch das Glück, daraus mein Lied erschallt,In seiner Göttlichkeit noch fass’ ich’s kaum,
Bis daß mich deine irdische Gestalt,Bis daß mich deiner Sinne GlutgewaltVon jedem dumpfen Traumgewirr befreitDurch nie geträumter Freuden Wirklichkeit.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die vier Jahreszeiten, 1. Auflage, Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Neue Liebe“, Fassung 3.779.654 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Frank Wedekind starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118629867 der Deutschen Nationalbibliothek.
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