Meine Prüfung, an Haschka
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
60 Zeilen in 15 Strophen · zuerst gedruckt 1780
In jener grauenvollen Stunde,(Weh mir, noch reißt der wilde SchmerzGewaltsam auf die kaum geheilte Wunde,Und stürmet durch mein Herz;)
Als ihr, der Einzigen, der ganz sich meineErregte Seel' entgegengießt,Die mir ein Weib, und die es mir alleineIm All der Schöpfung ist;
Als ihr der Tod mit allen seinen SchaudernDas ernste: Folge mir! gedroht,Und sie, zu groß Minuten nur zu zaudern,Die Recht' ihm lächelnd bot,
Als sie von Erdehoffnung nur mit HalmenGebunden, Gott schon ihre ZeitGenau verrechnete, schon griff nach PalmenDer nahen Seligkeit:
Da riß ich mich von ihr, vor Gott zu treten,Mein Aug, von keiner Thräne naß,Sank stumm an seinen Altar hin; denn beten,Kan die Verzweiflung das?
Und keiner, keiner, der mich unterm HammerDes Schicksals sah, sprach Trost mir ein;Denn ach! sie massen ihn mit meinem Jammer,Und fanden ihn zu klein.
Nur du, ganz Christ, und Freund und Dichter, schlossest,Mein Haschka, deinen Arm mir auf,Du pflegtest liebreich meiner Wunde, gossestDes Mitleids Oel darauf,
Und rauschtest von bekränzter Harfe LebenIns todte Herz mir wieder hin,Und lehrtest mich die schlaffe Seel' erheben,Sie ganz der Erd' entziehn,
Vom Schmerze nimmer übertäubt, mit tieferAnbetung vor dem EwigenVersinken in mein Nichts — und so dem PrüferMir Unterwerfung flehn:
Da nimm sie weg, weg aus den bangen Armen,Worein die Liebe sie gelegt,Und sieht nicht, daß ich ängstlich um ErbarmenZu dir sie ausgestreckt.
Du schriebest jedes ihrer theuern JahreIns grosse Buch des Schicksals ein,Du wirst mir auch, wenn ich an ihrer BahreMich winde, Vater seyn.
Und ist mein Leben ausgeweint, (hieniedenHeißt dies uns Würmern Ewigkeit,)Dann harret mein ihr Arm, und HimmelsfriedenIn wahrer Ewigkeit.
Dann singt mein freyer Geist dir höhre Lieder,Daß du mich streng geprüfet hast;Denn ach! noch zieht ihn zu gewaltig niederDes Fleisches schwere Last.
So wagt' ich es, ich Staub, vor Gott zu flehen,Und Er, der schlägt und heilen kan,Sah fern schon meine Rettungsstunde stehen,Und winkte sie heran;
Sie kam, schön wie ein Schutzgeist, angeflogen,Goß Heilung aus der milden HandAuf meine Kranke, — ha! da lag der BogenDes Todes abgespannt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 24-27, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Meine Prüfung, an Haschka“, Fassung 2.962.767 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
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