Wiedergeburt
Richard Dehmel · 1863–1920
37 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Nach Paul Verlaine.
Da kam ein stiller Reitergeritten durch den Hain,der stach mit seiner Lanzein mein alt Herz hinein.
Mein alt Herz gab nur einen,einen Tropfen Blut;der ist auf den Blumen vertrocknetin der Sonnenglut.
Mein Auge losch in Schatten,ein Schrei ging aus mir aus,und mein alt Herz ist storbenin einem wilden Graus.
Dann hat der Reiter SCHICKSALsein Pferd herangeführetund ist zur Erde stiegen sachtund hat mich angerühret.
Seine Handschuhhand von Eisengriff in meine Wunde,indeß er seinen Wahlspruch sprachmit seinem harten Munde.
Und als mich also eisigergriff die Hand von Eisen,ward mir ein neues Herz gebor’n,deß will ich beten und preisen;
ward mir ein neues Herz geboren,das schlug so jung, das schlug so gut,und heller Gluten trunkengenas mein Blut.
Da stieg der liebe Reiterwieder auf sein Tierund ritt davon und drohendhob er sein rot Pannier,
sein schwarzer Helmbusch nickte,ER aber sprach:„Sei weise, Sohn – dein Gram istdeine Schmach!“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto, München, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Wiedergeburt“, Fassung 1.479.452 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.
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