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Versbuch

Totenklage

Louise Otto-Peters · 18191895

20 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1893

I. Auf den Grabstein meines Bräutigams.

In meinem Herzen steht dein Bild,Dein Name klingt durch meine LiederTrotz Tod und Trennung nah ich mildZu deinem Grab mich liebend wieder:Denn zweier Seelen reine HarmonieTrennt selbst des Todes schriller Mißton nie.

II. Gebet am Grabe.

Du gabst ihn mir – du hast ihn mir genommen,Du ew’ger Gott, der unser Schicksal lenkt,Mit ihm ward mir das höchste Glück geschenktUnd nun ist mir das tiefste Leid gekommen.

Ich frage wohl: wie soll ich noch ertragenDas Leben, das nun öde vor mir liegtSeit ihn des Todes dunkle Macht besiegtUnd all umsonst mein Sehnen und mein Klagen?

Und doch – ob alle Hoffnungen versankenErinn’rung bleibt mir an die Seligkeit,Die nur der Liebe süße Macht verleiht –Und dafür muß ich selbst in Thränen danken.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 19-20, 1. Auflage, Moritz Schäfer, Leipzig, 1893
Digitalisat
de.wikisource.org — „Totenklage“, Fassung 638.544 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Louise Otto-Peters starb 1895; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1965 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118590901 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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