Zum Inhalt springen
Versbuch

An Augusta

Friederike Brun · 17651835

26 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1795

(1782.)

(Mit einer Composition von Hrn. Kapellmeister Schulze).

Ich gieng unter Weiden am ländlichen See,Auf thauigem Teppich von duftendem Klee;Noch ruhte in dämmernder Hülle die Welt,Noch wandelten Sternlein am Himmelsgezelt.

Ich fühlte der Freud’ und des Wehes so viel.Wo findet dies schwärmende Herz doch ein Ziel?Ich dacht’ es, und heftete weinend den BlickAuf tanzende Wellen des Sees zurück.

Nun ward mir stets enger und bänger um’s Herz!Ich fühlte so tief den verzehrenden Schmerz!Getrennet von meinen Geliebten, allein,Wie könnt’ ich des lieblichen Morgens mich freu’n?

Nun rollten die Wellen im röthlichen Stral,Nun senkte der Tag sich hinab in das Thal;Doch immer war’s Tag mir im Herzen noch nicht;Noch immer kein Trost, und noch immer kein Licht!

Tief saß mir im Herzen das liebliche BildVon meiner Augusta, so leidend und mild.Ach! war’ ich nur bei Dir! im liebenden ArmDer Freundschaft, verschwände mir jeglicher Harm!

Ach! Freundschaft! wie hast du der Freuden so viel!Und ach! wie der bitteren Leiden so viel!Bist Balsam des Lebens? Ach! bist es doch nicht!Machst schmerzliche Wunden, und heilest sie nicht!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 52–53, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795
Digitalisat
de.wikisource.org — „An Augusta“, Fassung 1.098.458 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Friederike Brun

Alle Gedichte von Friederike Brun ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Aufklärung

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.