Sehnsucht nach zwei Augen
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1933
(September 1930)
Diese Augen haben um mich geweint.Denk ich daran, wird mir weh.Wie die mir scheinen und spiegeln, so scheintKeine Sonne, so spiegelt kein See.
Und rührend dankten und jubelten sieFür das kleinste gute Wort.Diese Augen belogen mich nie.
Nun bin ich weit von ihnen fort,Getrennt für Zeit voll Ungeduld.Da träumt’s in mir aus Leid und Schuld:Daß sie noch einmal weinenWerden über meinenAugen, wenn ich tot bin.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- 103 Gedichte, S. 92, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Sehnsucht nach zwei Augen“, Fassung 3.778.744 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.