An die Engel
Heinrich Heine · 1797–1856
26 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1851
XV.An die Engel.
Das ist der böse Thanatos,Er kommt auf einem fahlen Roß;Ich hör’ den Hufschlag, hör’ den Trab,Der dunkle Reiter holt mich ab –Er reißt mich fort, Mathilden soll ich lassen,O, den Gedanken kann mein Herz nicht fassen!
Sie war mir Weib und Kind zugleich,Und geh’ ich in das Schattenreich,Wird Wittwe sie und Waise sein!Ich lass’ in dieser Welt alleinDas Weib, das Kind das, trauend meinem Muthe,Sorglos und treu an meinem Herzen ruhte.
Ihr Engel in den Himmelshöhn,Vernehmt mein Schluchzen und mein Flehn;Beschützt, wenn ich im öden Grab,Das Weib, das ich geliebet hab’;Seid Schild und Vögte Eurem Ebenbilde,Beschützt, beschirmt mein armes Kind, Mathilde.
Bei allen Thränen, die Ihr jeGeweint um unser Menschenweh,Beim Wort, das nur der Priester kenntUnd niemals ohne Schauder nennt,Bei Eurer eignen Schönheit, Huld und Milde,Beschwör’ ich Euch, Ihr Engel, schützt Mathilde.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Romanzero. Zweites Buch: Lamentationen. Seiten 190-191, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „An die Engel“, Fassung 3.841.130 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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