Vergebliche Sehnsucht
Karl Streckfuß · 1778–1844
32 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1804
Wenn ihr einst den Jüngling wieder sehet,Oede Fluren, den mein Herz erkor,O dann tritt der holde Lenz hervor,Blumen sprießen, wo sein Odem wehet.Rings umherSuchet ihn mein Blick –Ach, und erDer Geliebte kehret nicht zurück.Süßer tönen, Vögel, eure Lieder,Wenn euch zärtlich des Geliebten TonSeine Liebe singt, und ihren Lohn;Er belebt erst eure Töne wieder.Rings umherLauscht nach ihm mein Ohr –Ach, und erSingt mir nicht mehr seine Liebe vor.
Echo, ach du hörtest meine Klagen,Fragend oft vertraut’ ich dir mein Leid.Kommt er nicht zurück, voll ZärtlichkeitNach dem Mädchen, das ihn liebt, zu fragen?Rings umherLauscht mein Ohr, mein Blick –Ach, und erRuft mir nicht, und kehret nie zurück.Und mir flüstern schaurig süße StimmenAus des Stromes Silberspiegel zu:Komm zu mir, ins stille Land der RuhSollst du sanft auf meinen Wogen schwimmen.Ach! hinabZieht mich wilder Schmerz.Tief im GrabRuht der Freund, da ruh‘, o müdes Herz.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 33 - 34, 1, J. V. Degen, Wien, 1804
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Vergebliche Sehnsucht“, Fassung 425.508 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Karl Streckfuß starb 1844; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1914 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 117313165 der Deutschen Nationalbibliothek.
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