Frieden
Heinrich Heine · 1797–1856
43 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1827
Hoch am Himmel stand die Sonne,Von weißen Wolken umwogt,Das Meer war still,Und sinnend lag ich am Steuer des Schiffes,Träumerisch sinnend, – und halb im WachenUnd halb im Schlummer, schaute ich Christus,Den Heiland der Welt.Im wallend weißen GewandeWandelt’ er riesengroßUeber Land und Meer;Es ragte sein Haupt in den Himmel,Die Hände streckte er segnendUeber Land und Meer;Und als ein Herz in der BrustTrug er die Sonne,Die rothe, flammende Sonne,Und das rothe, flammende SonnenherzGoß seine GnadenstrahlenUnd sein holdes, liebseliges Licht,Erleuchtend und wärmend,Ueber Land und Meer.
Glockenklänge zogen feierlichHin und her, zogen wie Schwäne,Am Rosenbande, das gleitende Schiff,Und zogen es spielend an’s grüne Ufer,Wo Menschen wohnen, in hochgethürmter,Ragender Stadt.
O Friedenswunder! Wie still die Stadt!Es ruhte das dumpfe GeräuschDer schwatzenden, schwülen Gewerbe,Und durch die reinen, hallenden StraßenZogen Menschen, weißgekleidete,Palmzweig-tragende,Und wo sich Zwei begegneten,Sahn sie sich an, verständnißinnig,Und schauernd, in Liebe und süßer Entsagung,Küßten sie sich auf die Stirne,Und schauten hinaufNach des Heilands Sonnenherzen,Das freudig versöhnend sein rothes BlutHinunterstrahlte,Und dreimalselig sprachen sie:Gelobt sey Jesu Christ!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Buch der Lieder, Die Nordsee, Erster Cyklus, S. 340–342, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Frieden (Buch der Lieder 1827)“, Fassung 3.778.965 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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