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Versbuch

Der Mann

Ernst Moritz Arndt · 17691860

36 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1860

Brauset, Winde! schäume Meer!Mir im Herzen braust es mehr;Schlage, Unglückswetter, ein!Muth will trotzig oben sein.

Schwillt die Fluth ins Himmelshaus,Keine Anker wirft er aus;Schmettern Blitze höllentief,Blickt sein freies Aug nicht schief.

Freudig schießt er auf Gefahr,Wie auf Raub der Sonnenaar,Stürzt mit Wangen frisch und rothKühn hinein in tiefsten Tod.

Froh für Recht und VaterlandFaßt das Eisen seine Hand,Für das Laster feig und feilWird sein Mund ein Donnerkeil.

Seine Loosung heißet Gott,Darum ist die Welt ihm Spott;Freiheit klingt sein Feldgeschrei,Darum haßt er Tyrannei.

O wie selig ist der Mann,Der in Wahrheit sagen kann:Du, Gefahr, bist meine Braut,Treue, du mir angetraut!

O wie selig ist der Mann,Der in Wahrheit sagen kann:Muth, du bist mir Sonnenschein,Muth, du bist mir edler Wein!

Sonnenschein behält sein Licht,Saft der Reben altet nicht:So erlischt nicht kühner Muth,So erbleicht nicht Heldenblut.

Will die Welt zu Scheitern geh’n,Muth bleibt fest und ruhig steh’n;Ja, fällt selbst der Himmel ein,Muth wird Gott mit Göttern sein.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. Vollständige Sammlung. Seite 189–190, 1. Auflage, Weidmannsche Buchhandlung, Berlin, 1860
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Mann“, Fassung 3.436.509 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Ernst Moritz Arndt starb 1860; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1930 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118504118 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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