Sehnsucht
Karl Streckfuß · 1778–1844
30 Zeilen · zuerst gedruckt 1804
Drohende Wetter verdunkeln des Himmels Glanz,Wolken verschleyern des Sternengewimmels Tanz,Meer, wie du brausest!Sturm, wie du sausest!Blitz, wie so eilig dein Zackenstrahl niederwallt,Donner, wie gräßlich dein Schreckenston wiederhallt!Sehnsucht, du wilde, o giebst du mir nimmer Ruh?Hoffnung, du irre, wo lockt mich dein Schimmer zu?Ach, in den StürmenMuß ich mich schirmen.Für mich die Ruhe, die lächelnde, weilet dort.Brüllt denn, ihr Donner, ihr Winde, o heulet fort!Könnt’ ich, ihr Wogen, mit euch doch mich thürmen auf,Könnt’ ich zur gähnenden Tiefe mich stürmen drauf.Wolken dort oben,Könnt’ ich doch toben,Könnt’ ich wie ihr doch verblitzen des Herzens Gluth,Könnt’ ich im Donner vertosen des Schmerzens Wuth.Doch ach! die Sehnsucht, sie suchet vergebens Raum,Und so durchirr’ ich beängstet des Lebens Traum,Sinke und steige,Glühe und schweige;Daseyn, du dunkle, du freundliche Dichtung du,Sehnsucht, sie treibt dich der grausen Vernichtung zu.Tod, o du schöner, du schrecklicher, fasse mich,Sträubend, doch seelig verglühend erblasse ich!Auf von den KettenMich zu erretten,Lieblicher Freude Glanz mir in der Ferne glüht,Wenn frey die Seele von Sterne zu Sterne flieht.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 21-23, 1, J. V. Degen, Wien, 1804
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Sehnsucht (Streckfuß)“, Fassung 365.156 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Karl Streckfuß starb 1844; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1914 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 117313165 der Deutschen Nationalbibliothek.
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