An Liebchen
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
40 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1780
Mein Liebchen, als beym ersten KußAn meinem Mund dein Mündchen klebte,Als meine Seele, ganz Genuß,Mit deiner Seele sich verwebte;Da thaten wir den frommen Schwur:Nach eitler Größe nie zu streben,Und still mit ein paar Freunden nurZu schlendern durch das kurze Leben.
Geliebteste, nur noch ein Jahr,So wird das schönste Band uns knüpfen,So wird am heiligen AltarDein Herzchen mir entgegen hüpfen:Dann laß uns, klein und unbekannt,Nichts, ausser uns, zum Glück bedürfen,Und so im heilgen MittelstandDen Wonnekelch der Liebe schlürfen.
Wenn vor dem Wagen eines GrossenVerbrämter Läufer Fackel stralt,Und wenn der Huf von LondnerrossenDurch die betäubten Gassen hallt:Da muß ich, Engel! dich am Arm,Den übergrossen Mann beklagen;Denn, siehst du nicht? ein SorgenschwarmSitzt neben ihm im goldnen Wagen.
Ihn können persische Tapeten,Ihn kan sein glänzend SchlafgemachNicht von den bleichen Gästen retten,Sie drängen seiner Ferse nach;Sie schaffen in damastnen KüssenZu Stacheln um den Ederdon,Es fleugt vor ihren NatterbissenDer oft gerufne Schlaf davon.
Doch keine finstre Sorge spücketIn unserm stillen Kämmerlein;Die Liebe, die’s mit Rosen schmücket,Weiht sichs zu ihrem Tempel ein,Gießt, nach dem süßten ihrer Siege,Auf uns den Balsam sanfter Ruh,Vermischet unsre Odemzüge,Und schließt dein blaues Auge zu.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 39-40, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „An Liebchen“, Fassung 2.962.868 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
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