Die Insel auf dem Bielersee
Friederike Brun · 1765–1835
25 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1795
An Rousseau’s Schatten.
Wo Wogen das liebliche Eiland umziehn,Da sitz ich hoch über dem Felsen im Grün,Und höre, mit schmachtendem Sehnen,Die Fluten vertönen!
Von ferneher rauschen, mir tief aus dem SeeErschallend, empor in die luftige Höh’,Verdoppelte dumpfige SchlägeAns Ufergehege!
Umschwebt nicht im West, der das Eichenblatt beugt,Dein klagender Schatten, ätherisch und leicht,Die vormals geliebten GefildeMit himmlischer Milde?
Dort, hoch aus dem silberumflossenen Blau,O senke dich nieder, wie kühlender Thau;Verkünde der traurigen MüdenElysischen Frieden!
Du kanntest dies Sehnen, du kanntest den Schmerz,Der schwer mir belastet das einsame Herz!Nun schöpfst du am Strome der KlarheitUnsterbliche Wahrheit!
Stets glaubend, stillhoffend und liebend wie Du,Ach! find’ ich im Schoosse der Nacht erst die Ruh’,Entschwebend dem moosigen HügelMit stralendem Flügel?
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 31–32, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Insel auf dem Bielersee“, Fassung 3.513.669 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.