Lenzfahrt
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1882
Am Himmel wächst der Sonne Glut,Aufquillt der See, das Eis zersprang,Das erste Segel theilt die Flut,Mir schwillt das Herz wie Segeldrang.
Zu wandern ist das Herz verdammt,Das seinen Jugendtag versäumt,Sobald die Lenzessonne flammt,Sobald die Welle wieder schäumt.
Verscherzte Jugend ist ein SchmerzUnd einer ew’gen Sehnsucht Hort,Nach seinem Lenze sucht das HerzIn einem fort, in einem fort!
Und ob die Locke dir ergrautUnd bald das Herz wird stille stehn,Noch muß es, wann die Welle blaut,Nach seinem Lenze wandern gehn.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Lenzfahrt“, Fassung 2.093.307 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.