Anlass
Gedichte nach Anlass
Zehn Anlässe, von der Traueranzeige bis zur Danksagung, jeweils mit der Zahl der Gedichte, die auf der Seite stehen. Wer weiß, wozu ein Gedicht gebraucht wird, ist hier schneller am Ziel als über Verfasser oder Epoche. Der Text unter der Liste erklärt, wie die Bereiche zustande kommen und wo der Bestand nichts hergibt.
- Trauer und Abschied208
- Weihnachten43
- Hochzeit31
- Abschied31
- Muttertag23
- Ostern23
- Taufe und Geburt15
- Neujahr und Silvester15
- Vatertag9
- Dank8
Warum nach Anlass geordnet – und wo der Bestand aufhört
Ein Anlass liegt außerhalb des Gedichts. Er steht in einem Kalender oder in einem Lebenslauf: eine Beerdigung am Freitag, eine Trauung im Mai, der Heiligabend, die Taufe eines Kindes. Ein Thema dagegen steckt im Text selbst, in seinen Wörtern. Deshalb sind die beiden Ordnungen hier getrennt geführt. Wer eine Traueranzeige aufsetzt, sucht nicht nach Gedichten über den Tod, sondern nach Zeilen, die in einer Anzeige tragen. Wer eine Rede hält, braucht etwas, das gesprochen funktioniert. Die Anlassseiten sind nach dieser Frage gebaut, nicht nach dem Wortschatz der Texte.
Die zehn Bereiche sind unterschiedlich groß, und das Ungleichgewicht ist echt. Trauer und Abschied trägt 208 Gedichte und ist damit fast fünfmal so groß wie Weihnachten mit 43. Danach wird es rasch dünner: Hochzeit und Abschied stehen bei je 31, Muttertag und Ostern bei je 23, Taufe und Geburt sowie Neujahr und Silvester bei je 15, Vatertag bei 9, Dank bei 8. Das spiegelt, was die gemeinfreie deutsche Lyrik hergibt. Der Abschied von einem Toten ist über Jahrhunderte hinweg geschrieben worden, der Vatertag kaum.
Die auffälligste Lücke ist der Geburtstag. Genau zwei Gedichte im Bestand sind ihm zugeordnet, zu wenig für eine eigene Seite, deren Schwelle bei acht liegt. Das ist kein Versehen. Glückwunschgedichte waren Gebrauchslyrik: geschrieben für einen Menschen an einem Tag, oft nicht einmal gedruckt, und selten in den Ausgaben, aus denen dieser Bestand stammt. Wer trotzdem etwas für eine Geburtstagskarte sucht, wird eher unter „kurz“ fündig, wo die Länge stimmt, oder unter „Freundschaft“, wo der Ton passt. Ein kurzes Freundschaftsgedicht steht auf einer Karte besser als ein langes, das mühsam passend gemacht wurde.
Drei weitere Anlässe bleiben aus demselben Grund ohne eigene Seite: Genesung mit 6 Gedichten, Pfingsten mit 6, Einschulung mit 2. Die Texte sind vorhanden, sie sind nur nicht als Gruppe auffindbar. Die Schwelle von acht ist eine Entscheidung gegen halbleere Listen. Eine Übersicht mit drei Einträgen hilft niemandem, der in zehn Minuten eine Karte schreiben will. Wer für eine Genesung etwas sucht, kommt über die Themenseiten „Trost und Hoffnung“ oder „Freundschaft“ schneller ans Ziel als über eine Anlassliste, die aus sechs Texten besteht.
Die Länge entscheidet öfter als der Inhalt. Auf eine Karte passen vier bis zwölf Zeilen; alles darüber wird entweder klein geschrieben oder abgeschnitten. Eine Traueranzeige verträgt meist zwei bis vier Zeilen, mehr nicht. Eine Rede trägt auch ein längeres Gedicht, wenn es vorgelesen wird und der Satzbau nicht stolpert – lange Perioden mit eingeschobenen Nebensätzen klingen gesprochen anders als gelesen. Lesen Sie den Text einmal laut, bevor Sie sich festlegen. Was beim Lautlesen zweimal ansetzt, tut es vor dreißig Leuten auch.
Oft ist eine einzelne Strophe die richtige Wahl. Ein Gedicht mit sechs Strophen sprengt jede Anzeige, seine erste Strophe aber steht für sich. Das ist erlaubt und üblich – nur sollte dabeistehen, dass es eine Strophe ist und nicht das ganze Gedicht. Ein Zusatz wie „Erste Strophe aus …“ unter dem Zitat kostet vier Wörter und verhindert den Eindruck, der Verfasser habe genau dort aufgehört. Wer kürzt, sollte außerdem nicht mitten im Satz enden: Viele Strophen laufen syntaktisch in die nächste hinein, und ein abgebrochener Satz fällt jedem auf, der den Text kennt.
Alle Texte hier sind gemeinfrei. Die Verfasser sind seit mindestens siebzig vollen Kalenderjahren tot (§ 64 in Verbindung mit § 69 UrhG), das Sterbejahr ist bei jedem einzeln aus dem GND-Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek belegt. Praktisch heißt das: abschreiben, drucken, in eine Traueranzeige setzen, vertonen, auf Karten verkaufen – ohne zu fragen und ohne zu zahlen. Zwei Einschränkungen bleiben. Eine Übersetzung ist ein eigenes Werk mit eigener Schutzfrist (§ 3 UrhG), und dasselbe gilt für eine neuere Bearbeitung. Wer einen Text von dieser Seite nimmt, ist auf der sicheren Seite; wer eine moderne Übertragung von anderswo dazunimmt, nicht.
Eine Quellenangabe ist nach dem Erlöschen des Urheberrechts keine Pflicht mehr, aber sie ist gute Praxis und beantwortet die Nachfrage, die sonst kommt. Es genügt, was auf jeder Gedichtseite ohnehin steht: Verfasser, Lebensdaten, Titel und die Druckausgabe, aus der die Fassung stammt. Die Texte kommen von de.wikisource.org, jeweils aus einer benannten Fassung; diese Seite gehört weder zu Wikisource noch zur Wikimedia Foundation oder zur Deutschen Nationalbibliothek. In einem Programmheft reicht eine Zeile unter dem Gedicht. In einer Traueranzeige reicht der Name des Verfassers.
Wer die Texte abschreibt, stößt auf Schreibungen, die nach Tippfehlern aussehen und keine sind. „Vnd“ statt „Und“ bei Gryphius ist die Schreibung des 17. Jahrhunderts und steht so in der Vorlage. Solche Formen bleiben hier stehen, weil die Fassung der angegebenen Druckausgabe folgt und nicht modernisiert wird. Wer ein Gedicht auf eine Karte setzt, darf behutsam anpassen – die Entscheidung sollte nur bewusst fallen und für den ganzen Text gelten. Wer wörtlich zitiert, lässt die alte Form besser stehen: Sie ist der Text, und ein stilles Korrigieren ändert ihn.