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Versbuch

Die Hunde

Frank Wedekind · 18641918

49 Zeilen in 13 Strophen · zuerst gedruckt 1905

(Elegie)

Es waren einmal zwei Hunde,Wie war das Herz ihnen schwer!Sie liefen wohl eine StundeHintereinander her.

Sie hofften, in liebendem BundeWerd’ ihnen leicht und frei,Und waren doch nur zwei Hunde,Und keine Hündin dabei.

Das ist die soziale Misere,Die Sphinx in der Hundewelt,Daß man vom HundeverkehreDie Hündinnen ferne hält.

Die Hündinnen werden ja häufigGleich nach der Geburt ersäuft,Und wird eine Hündin läufig,Verhindert man, daß sie läuft.

Man läßt sie aus ihrem KerkerTag und Nacht nicht heraus;Knurrend liegt Bella im ErkerZu Füßen der Tochter vom Haus.

Lisettchen starrt in die ZeilenUnd zittert wohl mit den Knien,Zuckt mit den Lippen bisweilen,Und Beide denken an ihn.

Wallt man im FamilienvereineSonntags vors Tor hinaus,Bella geht an der LeineZugleich mit der Tochter vom Haus.

Hier rücken heran die Studenten,Dort naht sich Nero galant;Wie wird von beiden EndenDie arme Leine gespannt!

In einem Rudel HundeKam schließlich man überein,Es möge nun in der RundeJeder mal Hündin sein.

Das Auge, angstvoll, trübe,Schweift ferne zum Horizont,Als spräch’s: Und das hat der LiebeHimmlische Macht gekonnt.

Der kleine Fritz ging vorüberUnd sagte: Lieber Papa,Sage mir doch, du Lieber,Was machen die Hunde da?

Papa entgegnet: Das nennt man,Darf dir nicht sagen wie;An diesen Greueln erkennt manDas lausige Hundevieh.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die vier Jahreszeiten, 1. Auflage, Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Hunde“, Fassung 2.359.150 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Frank Wedekind starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118629867 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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