Mein Herz, mein Herz ist traurig
Heinrich Heine · 1797–1856
23 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1827
Doch lustig leuchtet der Mai;Ich stehe, gelehnt an der Linde,Hoch auf der alten Bastei.
Da drunten fließt der blaueStadtgraben in stiller Ruh’;Ein Knabe fährt im Kahne,Und angelt und pfeift dazu.
Jenseits erheben sich freundlich,In winziger, bunter Gestalt,Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,Und Ochsen, und Wiesen, und Wald.
Die Mädchen bleichen Wäsche,Und springen im Gras’ herum;Das Mühlrad stäubt Diamanten,Ich höre sein fernes Gesumm’.
Am alten grauen ThurmeEin Schilderhäuschen steht;Ein rothgeröckter BurscheDort auf und nieder geht.
Er spielt mit seiner Flinte,Die funkelt im Sonnenroth,Er präsentirt und schultert –Ich wollt’, er schösse mich todt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Buch der Lieder, Die Heimkehr, S. 179–180, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Mein Herz, mein Herz ist traurig“, Fassung 3.778.437 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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