Altes Volkslied
Kurt Tucholsky · 1890–1935
37 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 23. November 1926
Altes Volkslied von Theobald Tiger
Wem habe ich zu danken– sag an, mein Herz, sag an –:Wer knebelt die Gedanken?wer setzt der Freiheit Schranken?wer ist der brave Mann?
Der Leutnant, schlank gewachsen –sag an, mein Herz, sag an –der Reichswehr? die in Sachsenund Thüringen blutige Faxenunmöglich getan haben kann?
Ist es der Hauptschriftleiter– sag an, mein Herz, sag an –,der dem schwarz-rot-goldenen Streiterein gebildeter, steter Begleiterund noch nie einen Kampf gewann?
Es ist der deutsche Richter– sag an, mein Herz, sag an –,der sperrt das rote Gelichterin die Zellen – und hinterher spricht er:„Es gibt keine Klassenjustiz.“Man siehts, mein Herz, man siehts.
Denn die es besser wissen,die schlafen auf strohenen Kissen;und die nach dem Lichte streben,die stehn hinter gitternen Stäben;und die die Freiheit begehren,die können sich nicht mehr wehren.
Was verdienen unsre Richter?Sag an, mein Herz, sag an!Paragraph juhu!Paragraph juchei!Wir wissen es ja schon:Viel hundert Taler im Jahr, mein Herz –Unsere Liebe.Vertraun.Und Pension.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Weltbühne. Jahrgang 22, Nummer 47, Seite 819, Verlag der Weltbühne, Berlin, 23. November 1926
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Altes Volkslied“, Fassung 996.221 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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