Morgengruß
Wilhelm Müller · 1794–1827
24 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1906
Guten Morgen, schöne Müllerin!Wo steckst du gleich das Köpfchen hin,Als wär' dir was geschehen?Verdrießt dich denn mein Gruß so schwer?Verstört dich denn mein Blick so sehr?So muß ich wieder gehen.
O laß mich nur von ferne stehn,Nach deinem lieben Fenster sehn,Von ferne, ganz von ferne!Du blondes Köpfchen, komm hervor!Hervor aus eurem runden Thor,Ihr blauen Morgensterne!
Ihr schlummertrunknen Äugelein,Ihr thaubetrübten Blümelein,Was scheuet ihr die Sonne?Hat es die Nacht so gut gemeint,Daß ihr euch schließt und bückt und weintNach ihrer stillen Wonne?
Nun schüttelt ab der Träume Flor,Und hebt euch frisch und frei emporIn Gottes hellen Morgen!Die Lerche wirbelt in der Luft,Und aus dem tiefen Herzen ruftDie Liebe Leid und Sorgen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die schöne Müllerin, in: Gedichte von Wilhelm Müller. Vollständige kritische Ausgabe. S. 10-11, B. Behrs Verlag, Berlin, 1906
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Morgengruß“, Fassung 2.205.186 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Müller starb 1827; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1897 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11858524X der Deutschen Nationalbibliothek.
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