Gang durch den herbstlichen Wald
Alfred Henschke · 1890–1928
32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1927
Es kommt der Herbst. Die Luft saust kalt.Kein lieber Gott geht durch den Wald.Ein alter Mann von siebenzigSucht Feuerung für den Winter sich.
Auch unser Herz ist ausgelohtUnd etwas Feuerung täte not.Wie runzlig blickt das ganze LandUnd riecht nach Fäulnis penetrant.
Im Sand verinnen allgemachDer Wittels- und der Fechenbach.Im Moor, dort, wo man stach den Torf,Verfällt das alte Ludendorff.
Mit Halali und mit GeheilNimmt an der Ebertjagd man teil.Wer jetzt nicht liebt Sang, Weib und Wein –Fest steht und treu der Schacht am Rhein.
Man leert die Hosentaschen aus.Kein Rentenpfennig drin, o Graus.Versuchs und stell’ dich auf den Kopf:Ach, kein Gedanke drin, du Tropf!
Verdreckt, verreckt, verhurt, verlumpt –wer, der uns noch ’nen Taler pumpt?Es bringt der allgemeine Dallesnoch Deutschland, Deutschland unter alles.
Du kleines Köhlermädchen, seiIm Moose meines Herbstesfei.Der Regen rinnt. Es weint der Wind,Weil wir so schrecklich einsam sind.
Es kommt der Herbst. Die Luft saust kalt.Ein Schauer streicht durch Welt und Wald.Gib mir den Mund. Komm zu mir her.Umarme mich. Mich friert so sehr.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Harfenjule S. 33, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Gang durch den herbstlichen Wald“, Fassung 1.167.227 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.
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