Erste Liebe
Gustav Schwab · 1792–1850
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Wo bist du, Zeit der Plage,Der ungestillten Lust?Ruhst du, o Gluth und Klage?Wirst du so mild, Verlust?
Die Sonne schon im SinkenVerkläret ihren Schein,Die Bäum’ und Büsche winken,Die Quellen flüstern drein.
Und schon erwachst du wieder,Du erstes Lieb’sgefühl,Ihr reinen Jugendlieder,Du frommes Bilderspiel!
O Hoffnung, nicht Verlangen!O Sehnsucht, nicht Begier!Ein Beten und ein BangenScheu vor der Himmelsthür.
Ein Ja aus allen Trieben,Und wieder keusches Nein;Das ist das erste Lieben,Das erste muß es seyn!
Das ist die Lieb’ auf ErdenIn halber Kinderzeit;Erfüllet wird sie werdenIn jener Herrlichkeit.
Verlieren und Entsagen,Das macht auf Erden reich:Das Finden und ErjagenIst für das Himmelreich.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 57–58, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Erste Liebe“, Fassung 1.334.458 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.