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Versbuch

Entomologische Liebe

Joachim Ringelnatz · 18831934

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Ein Käfer, den ich kenne,Die Goldhenne,Spritzt einen üblen Saft.Ich habe mir eine Betthenne –Nein, Bettpfanne angeschafft.

Nur zur eigenen Benützung,Nicht etwa zur UnterstützungDieses Käfers, der bei Tag und NachtNeben meinem Krankenlager stehtUnd sich freut, wenn es mir naß ergeht.

Eingefangen in ein GlasgebäudeLebt er. Ich verstehe seine Freude.Wenn er nie in Freiheit bei mir sitzt,So doch nur, weil er so übel spritzt.

Doch nachdem ich nun seit sieben WochenIhm durchs Glas so freundlich zugesprochen,Weiß er schon, daß ich ihn Goldfink nenne.

Wir sind Schicksalskameraden.Demnächst will ich meine GoldhenneZu Bettpfannkuchen einladen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Entomologische Liebe“, Fassung 3.779.445 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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