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Versbuch

An Mira

Heinrich Kämpchen · 18471912

48 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1909

Traum der Jugend, so oft geträumt,Und zerronnen, zerstoben,Noch beim Nahen der langen NachtHält mich dein Zauber umwoben. –

Wieder lockt und raunt es mich anMit dem nämlichen Werben,Und das alte törichte HerzDenkt nicht an Welken und Sterben. –

Was verloren ich längst geglaubtUnter Sorgen und Mühen,Will, wie die Rose von Jericho,Neu mir in Schönheit erblühen. –

Wieder schimmernd und schwanenweißSeh’ ich Arme mir winken –Darf ich den Becher, so lockend kredenzt,Darf ich noch einmal ihn trinken? –

Darf ich auch nur, Mira, dich umkosen,Wie der Zephir kost um junge RosenIn verschwieg’nen sommerschwülen Nächten –Darf ich auch nicht zu den tiefsten SchächtenDeiner Herzensträume niedersteigen,Muß mich beherrschen auch und schweigen,Eines, eines darf ich doch dir sagen:Liebeswunde hast du mir geschlagen,Und ich kranke an der bittern, harbenLiebeswunde, die nicht kann vernarben. –

*

Brächte gern dir rote RosenTäglich, stündlich, immer neue –Möchte dich mit ihrem DufteLaben, Mira, und erquicken. –

Und für meine roten RosenRaubte ich dir Feuerküsse,Küsse, die das Herze klopfenUnd die Pulse fiebernd machen. –

Aber ach, du weilst zu ferne,Kann dir keine Rosen bringen,Kann nur sehnen, kann nur träumenUnd von deiner Schöne singen. –

*

Weißt du, wie Zigeuner lieben?Ungezügelt, ohne Schranken,Einzig nur den FlammentriebenIhres heißen Herzens folgend. –

Auch Poeten sind Zigeuner,Schweifend in Phantasus Reiche,Und sie fühlen und sie liebenMit dem Gluthauch der Zigeuner. –

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Was die Ruhr mir sang, S. 126, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
Digitalisat
de.wikisource.org — „An Mira (Kämpchen)“, Fassung 1.095.861 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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