Tragödie
Heinrich Heine · 1797–1856
28 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1844
Entflieh mit mir und sey mein Weib,Und ruh an meinem Herzen aus;Fern in der Fremde sey mein HerzDein Vaterland und Vaterhaus.
Gehst du nicht mit, so sterb’ ich hierUnd du bist einsam und allein;Und bleibst du auch im Vaterhaus,Wirst doch wie in der Fremde seyn.
II.
(Dieses ist ein wirkliches Volkslied, welches ich am Rheine gehört.)Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht,Er fiel auf die zarten Blaublümelein,Sie sind verwelket, verdorret.
Ein Jüngling hatte ein Mädchen lieb,Sie flohen heimlich von Hause fort,Es wußt’ weder Vater noch Mutter.
Sie sind gewandert hin und her,Sie haben gehabt weder Glück noch Stern,Sie sind verdorben, gestorben.
III.Auf ihrem Grab da steht eine Linde,Drin pfeifen die Vögel und Abendwinde,Und drunter sitzt, auf dem grünen Platz,Der Müllersknecht mit seinem Schatz.
Die Winde die wehen so lind und so schaurig,Die Vögel die singen so süß und so traurig,Die schwatzenden Buhlen, die werden stumm,Sie weinen und wissen selbst nicht warum.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Neue Gedichte. Seite 160–162, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, 1844
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Tragödie (Heine)“, Fassung 2.304.645 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.