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Versbuch

Thema

Gedichte nach Thema

Fünfzehn Themen, von Liebe mit 706 Gedichten bis Humor mit 28, jeweils mit der Zahl der Texte, die dort stehen. Ein Thema ist hier keine Deutung, sondern eine Zuordnung nach den Wörtern des Gedichts. Wie das gemeint ist und wo es an seine Grenze kommt, steht unter der Liste.

Wie ein Gedicht auf eine Themenseite kommt

Die Zuordnung entsteht aus den Wörtern des Gedichts selbst. Kommt der Wortschatz eines Themas oft genug vor, erscheint der Text auf der Themenseite; eine einzelne beiläufige Erwähnung reicht dafür nicht, denn es gibt eine Schwelle. Ein Gedicht, das zweimal das Meer nennt und sonst von einer Reise handelt, landet also nicht unter „Meer und Wasser“. Ein Text kann auf bis zu drei Themenseiten stehen, weil die Themen einander nicht ausschließen: Ein Winterabend am Wasser gehört zum Winter und zum Meer, und wenn die Nacht darin vorkommt, auch zu Nacht und Traum.

Was hier Thema heißt, ist ausdrücklich keine Interpretation. Niemand hat entschieden, wovon ein Gedicht „eigentlich“ handelt. Die Seiten sagen nur: In diesem Text kommen diese Wörter vor, und zwar häufig genug, dass es kein Zufall ist. Das trifft manchmal daneben. Ein Liebesgedicht, das durchgehend im Bild einer Jahreszeit spricht, kann unter Frühling erscheinen, ohne vom Frühling zu handeln. Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Zuordnung nachvollziehbar bleibt und nicht vom Geschmack dessen abhängt, der sie vorgenommen hat.

Die Größen sind sehr ungleich, und sie sagen etwas über den Bestand. Liebe steht bei 706 Gedichten, Glaube bei 579, Leben und Zeit bei 573, Nacht und Traum bei 464, Natur bei 439. Danach fällt es steil ab: Meer und Wasser 236, Winter 97, Frühling 93, Tiere 82, Herbst 69, Freundschaft 65, Heimat 52, Trost und Hoffnung 42, Sommer 34, Humor 28. Auch die Jahreszeiten sind ungleich verteilt: Winter und Frühling tragen zusammen mehr als fünfmal so viele Gedichte wie der Sommer.

2.416 der 4.865 Gedichte tragen weder einen Anlass noch ein Thema, knapp die Hälfte des Bestands. Das ist keine Lücke, die noch geschlossen wird. Es ist der Wortschatz dieser Texte: Sie sprechen von Dingen, die in keine der fünfzehn Gruppen fallen, oder sie streuen so breit, dass keine Schwelle erreicht wird. Verloren sind diese Gedichte deshalb nicht. Sie sind über den Verfasser, über die Epoche und über die Form zu finden, und für alle drei Wege gibt es eigene Übersichten. Wer nach Thema nichts findet, sollte dort weitersuchen.

Anlass und Thema kreuzen sich oft, und beides zu prüfen kostet wenig Zeit. Ein Gedicht über die Nacht kann in einer Trauerrede stehen, eines über den Frühling auf einer Hochzeitskarte. Die Anlassseiten sind die schnellere Wahl, wenn der Termin feststeht; die Themenseiten sind die bessere, wenn der Ton wichtiger ist als der Anlass oder wenn der Anlass gar keine eigene Seite hat. Weil der Bestand nach Anlass deutlich kleiner ausfällt – zehn Gruppen gegen fünfzehn, und die größte Anlassgruppe zählt 208 Gedichte gegen 706 bei der Liebe –, lohnt der Umweg über das Thema fast immer.

Ein Thema allein führt selten zur Entscheidung; die zweite Frage ist immer die Länge. Für eine Karte sind vier bis zwölf Zeilen die brauchbare Spanne, für eine Rede darf es mehr sein, für ein Album oder ein Programmheft hängt es am Platz. In einer großen Gruppe wie Liebe oder Glaube lohnt es, zuerst nach der Länge zu sortieren und erst danach zu lesen. 706 Gedichte liest niemand durch. Zwanzig kurze aus dieser Gruppe sind in einer Viertelstunde gelesen, und darunter ist mit einiger Sicherheit eines, das passt.

Viele dieser Gedichte tragen keinen Titel, sondern werden nach ihrer ersten Zeile geführt. Beim Zitieren ist das wichtig, weil sonst ein Werk entsteht, das es unter diesem Namen nie gab. Machen Sie kenntlich, dass es sich um die Anfangszeile handelt, dann ist die Angabe eindeutig. Dasselbe gilt für Ausschnitte: Wird nur ein Teil verwendet, gehört der Hinweis dazu, dass es ein Teil ist. Drei Wörter genügen dafür. Sie ersparen die Rückfrage, ob das Gedicht wirklich so kurz war.

Zu den Rechten: Der Schutz an diesen Texten ist abgelaufen, und zwar für jeden Verfasser einzeln nachgewiesen. Damit darf jeder mit ihnen tun, was sonst den Erben vorbehalten wäre – nachdrucken, umsetzen, vertonen, in eine Sammlung stellen, damit Geld verdienen. Nicht mitgemeint ist die Arbeit anderer am Text. Eine Übersetzung ist nach § 3 UrhG selbst geschützt, ebenso eine neuere Bearbeitung, und deren Frist beginnt erst mit dem Tod des Übersetzers oder Bearbeiters. Für die Gedichte hier spielt das keine Rolle; für jede fremdsprachige Fassung, die jemand daneben stellt, sehr wohl.

Beim Abschreiben fallen Schreibungen auf, die heute falsch aussehen. „thun“ mit h ist im 19. Jahrhundert die übliche Form und verschwand erst um 1900. Apostrophe wie in „müßt'“ bei Eichendorff zeigen eine weggelassene Silbe an, die das Versmaß nicht braucht. Beides sind keine Tippfehler, und beides bleibt hier stehen, weil die Fassung der angegebenen Druckausgabe folgt. Wer den Text in eine Karte übernimmt, sollte sich für eine Linie entscheiden: entweder alles so lassen, wie es dasteht, oder durchgehend modernisieren. Eine halb angepasste Fassung sieht nach Versehen aus.