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Versbuch

Klage um Auerswald und Lichnowsky

Ernst Moritz Arndt · 17691860

57 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1860

1848.

Hast du noch Lebensodem,O Erde grün und schön,Um die aus schwarzem BrodemNur finstre Nebel weh’n,Auf der blutwilden HordenBrand Mord und Zeter schrei’nUnd frech in MeuchelmordenDer Freiheit Glanz entweih’n?

Wie? sind dies deutsche Fahnen?Die Farben rother Wuth?Will deutsche Kämpfe mahnenDas Roth an Brust und Hut?Wie? Roth der wälschen SeineDas mahnte deutschen Muth,Für Wolf und für Hyäne,Doch nicht für Deutsche gut?

Sind dies der Freiheit Gaben?Ist dies der Freiheit Klang,Von schwarzen GalgenrabenDer Mitternachtgesang?Nein! nein! von FreiheitstödternDes Blindschleichs Schlangenlist,Wo unter grausen ZeternKein Laut der Freiheit ist.

Ist dies die deutsche Treue?Trifft so das deutsche Schwerdt?Springt so der deutsche Leue,Der grad auf’s Eisen fährt?Mann steht den Mann, den SatanBestehen Zwei und Drei,Doch sieht man solche That an,So bricht das Herz inzwei.

Zwei Helden sind gefallen,Nicht, wie der Tapfre fälltBei hellem TrommelschallenAuf blut’gem Schlachtenfeld;Sie haben andre RosenWeiland gepflückt im Streit:Was war den WaffenlosenHier für ein Kampf bereit?

Mein Deutschland, Land der Treue!Mein Deutschland, Land des Muths!Wann löschet lange ReueDie Flecken solches Bluts?Den Mord, womit der FeigeDen Unbewehrten trifft?O deutschen Ruhmes Neige!O deutscher Ehre Gift!

O wehe, dreimal wehe!Weh dieser düstern That!Nein, meine Seele, geheNie mit in solchen Rath!Der Ruhm, den Mörder haschen,Der werde nie mein Ruhm!Ach! nimmer wegzuwaschenVom deutschen Heldenthum!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. Vollständige Sammlung, mit der Handschrift des Dichters aus seinem neunzigsten Jahr. S. 553–554, Weidmannsche Buchhandlung, Berlin, 1860
Digitalisat
de.wikisource.org — „Klage um Auerswald und Lichnowsky“, Fassung 285.086 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Ernst Moritz Arndt starb 1860; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1930 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118504118 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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