Ausmarsch
Alfred Henschke · 1890–1928
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1916
Jetzt muß ich in den Krieg ja Krieg marschierenUnd bin doch noch so jung ja junges Blut!Man hört den Trommler Generalmarsch rühren,Er weiß ja nicht, wie es der Trommel tut.
Wie oft hab ich des Nachts bei dir gestanden,Und auch du, Mädchen, standest dann bei mir.Die Ketten, die uns aneinander banden,Die waren unsre allerschönste Zier.
Sie waren nicht von Stahl und nicht von Eisen,Sie waren ja aus Liebe ganz und gar.Drum laß uns jene seligen Stunden preisen,Da dein Herz mein und mein Herz deines war.
Ich habe Treu ja Treue dir geschworenAls dein getreu ja treuer Infantrist.Ist erst das Kind und erst das Kind geboren,So weißt du, Mädchen, wer der Vater ist.
Die Trommel rollt, es knattern die Gewehre,Es schießt der Feind von hinten und von vorn.Leicht ist das Leben, nimmermehr die EhreDes deutsch ja deutschen Vaterlands verlorn.
Da wo zerschossne Häuser feurig schwelen,Da scharrt man mich in fremdes Erdreich ein.Dann sollst du meinem Kind ja Kind erzählen:Er starb für dich für dich so ganz allein ...
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Dragoner und Husaren. Die Soldatenlieder von Klabund. S. 6-7, 5. Tausend, Georg Müller, München, 1916
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ausmarsch“, Fassung 643.950 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.
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