Ein Aufathmen
Ada Christen · 1844–1901
35 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1870
I.
Grüne Tannen, bunte Blumen,Blauer Himmel, Luft und Duft,Silberhelle Wasser rieselnAus der grauen Felsenkluft.
Helle Sonnenlichter zitternSpielend auf dem feuchten Grund,Und der Vögel heimlich ZwitschernGleicht dem Wort aus liebem Mund.
Grüne Tannen – kleine Vögel,Ach, – ihr kennt ein Zauberwort – –Euer Rauschen, euer ZwitschernScheucht die alten Schmerzen fort!
II.
Wie in süßen MorgenträumenLiegt vor mir ein kleines Haus,Blüthenweiße Bäume streckenWinkend ihre Äste aus.
Liebes, lang’ entbehrtes GrüßenIst der Lerche jubelnd Lied,Das wie klingend helles StrömenOb dem Haupte wirbelnd zieht.
Kleines Haus und Blüthenbäume,Ich versteh’ den Zauber nicht;Doch er spricht zum dunklen HerzenUnd es wird d’rin wieder Licht!
III.
Fremder Menschen bunte Massen,Fremder Sprache milder Laut,Große Häuser, helle Straßen,Selbst der Himmel heller schaut.Seltsam fremd, wie nie besessen,Klingt mir hier der Name mein,Auch mein Herz lernt hier vergessen,Lernt vielleicht hier glücklich sein.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Aus der Asche. Neue Gedichte. Seite 47–49, Hoffmann & Campe, Hamburg, 1870
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ein Aufathmen“, Fassung 4.427.744 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Ada Christen starb 1901; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1971 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 119549263 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.