Die Verlassene
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1780
Ach, mein Busen hebt sich bange,Nichts als Klagen stöhnt mein Mund,Und die abgehärmte WangeIst von meinen Thränen wund!
Und auch du hast ihn zerrissenDiesen dreymal heilgen Bund,Den mit seinen ErstlingsküssenDir versiegelte mein Mund.
Weh mir! was ist Männertugend,Wenn sie so der Treue lohnt?Nicht die Liebe, nicht die Jugend,Nicht die Unschuld selber schont!
Weh mir! was ist Männerliebe?Nicht ein inniges Gefühl,Grobe, thierverwandte Triebe,Sinnenweide, Fibernspiel.
Winseln kan sie, flehen, zanken;Aber dauern wird sie nie,Unsre Härte setzt ihr Schranken,Der Genuß ersticket sie.
Ich, in deren kranken HerzenNoch die böse Liebe flammt,Bin zu Duldung ihrer SchmerzenUnd zu stetem Gram verdammt.
Doch in öden EinsamkeitenWein’ ich gern, wenn mein GeschlechtAn der Männer GrausamkeitenMich durch Haß und Kaltsinn rächt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 53f., 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Verlassene (Alxinger)“, Fassung 3.579.173 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.