Heimweh in die Welt
Richard Dehmel · 1863–1920
32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Blieb es doch so lang’ vor Liebe stumm;kann ich doch mein Herz, mein Herz nicht töten.War ich Dein, nur Dein in Glut und Nöten;weißt warum?Weil mein Herz so wild;weil es Meere braucht,wenn der Sturm ins Blut mir taucht;weil es Deine Tiefen so gefühlt.
Doch wenn nun der Frühling wieder sprießt,o ich fühl’s, ich fühl’s, so stumm ich blieb,und im warmen Sturm der junge Triebschwillt und schießt:wird mein Herz so wild,weil es Meere braucht,wenn der Sturm ins Blut mir taucht,weil es so in alle Weiten fühlt.
Hast es doch gewußt. Es war im Mai:als der schreckende Blitz uns rot umlohte,als ich meinem Bruder Donner drohte,wild und frei:gabst mir deine Hand,mein in Glut und Schmerz,sankest mir ans junge Herz,unten tief das ferne deutsche Land.
Und wenn nun der Frühling blühen willund die wilden Blitze wieder glühnund im Sturm die Meere wieder sprühn:dann, oh still!gieb mir deine Hand,Einmal noch ein Schmerz,Einmal noch ein deutsches Herz.dann – leb wohl, mein Weib, mein Vaterland.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto., München, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Heimweh in die Welt“, Fassung 3.778.930 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.
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