An Denis
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
64 Zeilen in 16 Strophen · zuerst gedruckt 1780
Du edler Mann, und schallt’ im VaterlandeAuch nicht ein einzig Lied von dir,Und sähst du nicht das Reich der WissenschaftenMit einem Blicke durch:
Und hättest du die Lehrer jedes Alters,Dir Weisen jedes Volks auch nicht,Sie all umglänzt mit Ruhm, in hellen ReihenVor uns vorbeygeführt:
Und tönete der Nachhall deines RuhmesNicht bis zum fernsten Norden hin,Mein Denis! doch nicht minder würd' ich ehren,Nicht minder lieben dich.
Denn was ist Macht des Liebs, weitkreisend Wissen,Und dringen in der Dinge Mark?Ein zweifelhaft Geschenk, deß Werth und UnwerthStets unser Herz bestimmt.
Ein Herz, wie deines, Freund, das immer offenFür jedes himmlische Gefühl,Sich selber gleich bleibt, nie durch niedre WünscheSich abgewürdigt hat;
Das dich ermahnt, dein Wissen unterm SchleyerDer lächelnden BescheidenheitZu bergen, leichter Ansprach’ heitrer Blicke,Und frohen Muths zu seyn;
Das eiferend für Gott, und Recht und Tugend,Doch duldsam auch und nachsichtsvollDen Irrenden nicht richtet, jedem EdlenSich mittheilt brüderlich,
Sich gern ergießt, wenn rings die HeldenjugendUm dich versammelt horcht, und duHold, wie ihr Schutzgeist stehst, und freundlichlispelndIn ihre Seelen sprichst.
Ja so ein Herz, erhöht durch GeistesgabenUnd ausgegossen in ein Lied,Lockt nach Jahrhunderten noch DankeszährenIn eines Frommen Aug.
Dein Alxinger, o wie wird er vergessenDes Wonnetags, als er zuerstDein holdes Antlitz sah, doch noch nicht wagteZu weiden sich daran;
Halbstammelnd, Haupt und Blick gesenkt zur Erde,Ein unbekannter Jüngling stand,Und du ihn Dichter grüßtest, ihm die RechteMt sanften Blicken bothst;
Da kehrte feine Schüchternheit in Freude,Und sanft hub seine Seele sich.So wie, beglänzt von milder Abendsonne,Das Haupt ein Veilchen hebt.
Freund, nimm dies Herz, von Laster unbeflecket,Für deine Huld ein kleiner Lohn!Nimm dieses Lied, zum Denkmal bey dem Enkel,Daß ich dich ganz gekannt.
Doch würden ja (zwo heisse Thränen fallenBey dem Gedanken auf mein Spiel)Und würden alle Töne dieses SpielesVom Sturm der Zeit verweht,
So sey mein Trost, daß unter deinen FreundenAuch ich genennet, daß mein Grab,Obgleich schon längst mit ernstem Moss bewachsen,Nicht ganz vergessen sey,
Und einst darauf der fromme Pilger rastendMir flüstre seinen Wunsch hinab:„O ruhe sanft, du warst der Bessern Einer,„Denn Denis liebte dich.“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 28-31, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „An Denis“, Fassung 3.416.628 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
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