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Versbuch

Epoche

Gedichte nach Epochen

Acht Listen nach literaturgeschichtlichen Epochen, von 42 Gedichten des Barock bis zu 2.056 aus Moderne und Expressionismus. Eingeordnet wird jeweils der Verfasser, nicht das einzelne Gedicht – ein frühes und ein spätes Werk derselben Person stehen deshalb nebeneinander. Wer ungefähr weiß, aus welcher Zeit der Text stammen soll, ist hier schneller als mit einem Stichwort.

Was die Epochenlisten ordnen – und was nicht

Die Epoche gehört hier zum Verfasser, nicht zum einzelnen Text. Üblich ist in der Literaturgeschichte, eine Autorin oder einen Autor einer Strömung zuzurechnen; genau diese Zuordnung wird übernommen und gilt dann für alles, was von der Person im Bestand steht. Das hat eine Folge, die man kennen sollte: Ein Jugendgedicht und ein spätes Altersgedicht desselben Verfassers landen in derselben Liste, auch wenn Jahrzehnte dazwischenliegen. Eine Epochenliste ist also eine Gruppe von Menschen, kein Versprechen über den Ton der einzelnen Gedichte.

Die Größenverhältnisse sagen etwas über die Quelle aus, nicht über das Jahrhundert. Moderne und Expressionismus stehen mit 2.056 Gedichten voran, es folgen Naturalismus mit 720, Realismus mit 696 sowie Biedermeier und Vormärz mit 669. Die Aufklärung kommt auf 297, die Romantik auf 256, Klassik und Sturm und Drang auf 129, der Barock auf 42. Diese Verteilung entsteht dadurch, von wem auf de.wikisource.org ganze Bände abgeschrieben worden sind. Wer dort einen vollständigen Band bekommen hat, ist hier reich vertreten. Das ist eine Eigenschaft der Abschreibearbeit und kein Urteil über Rang oder Menge.

Bei einigen Verfassern ist die Einordnung geteilt, und das lässt sich nicht wegräumen. Hölderlin, Heine, Wedekind und Karl Kraus werden in der Literaturgeschichte nicht einheitlich zugerechnet; je nachdem, welcher Darstellung man folgt, fallen sie in die eine oder in die andere Strömung. Wo das so ist, steht es auf der jeweiligen Autorenseite. Wer einen dieser Namen sucht und ihn in der erwarteten Liste nicht antrifft, geht am schnellsten über die Autorenseite. Eine Frage, welche die Forschung offen lässt, wird hier nicht stillschweigend entschieden.

Die kleinste Liste ist der Barock mit 42 Gedichten, und sie fällt beim Lesen als Erstes durch ihre Schreibung auf. Dort steht „Vnd“ mit v, wie es bei Gryphius gedruckt ist, dazu weitere Formen, die heute niemand mehr so setzt. Das sind keine Übertragungsfehler, sondern der Wortlaut der Fassung, aus der abgeschrieben wurde. Wer solche Texte vorlesen will, sollte sie vorher einmal laut proben; gelesen wirken sie fremder, als sie klingen. Für eine Karte in heutiger Schreibung passen sie selten, vorgetragen und kurz angekündigt tragen sie gut.

Das größte zusammenhängende Feld liegt im neunzehnten Jahrhundert: Naturalismus, Realismus, Biedermeier und Vormärz ergeben zusammen mehr als zweitausend Gedichte. Wer hier sucht, trifft häufig auf „thun“ mit h und auf eine Zeichensetzung, die von der heutigen abweicht. Auch das bleibt so stehen. Praktisch heißt das: Ein Text aus diesem Feld liest sich flüssig, verrät sein Alter aber an zwei oder drei Stellen. In ein Programmheft kann man ihn unverändert setzen – die alte Schreibung erklärt sich von selbst, sobald Verfasser und Ausgabe darunterstehen.

Moderne und Expressionismus ist die Liste, in der die Auswahl am längsten dauert; 2.056 Gedichte sieht niemand an einem Stück durch. Hier hilft es, zuerst über die Länge einzugrenzen und dann zu lesen. Die Schreibung liegt in diesem Teil des Bestandes meist näher an der heutigen als in den älteren Listen, was die Texte für Karten und Anzeigen unmittelbar brauchbar macht. Zu beachten bleibt nur der Grundsatz: Ein Verfasser, den man dieser Strömung zurechnet, steht mit allem hier, was von ihm vorliegt, auch mit frühen Gedichten.

Die kleineren Listen haben einen Vorteil, den große nicht haben: Man kann sie durchsehen. 297 Gedichte der Aufklärung, 256 der Romantik, 129 aus Klassik und Sturm und Drang – das lässt sich an einem Abend überblicken, und in einer halben Stunde, wenn man nur die kurzen ansieht. Für eine Schulstunde ist dieser Weg oft schneller als eine Suche nach Stichworten, weil man dabei sieht, was es sonst noch gibt. Wer ohnehin einen bestimmten Namen im Sinn hat, kommt über die Autorenseite direkt zu dessen gesamtem Bestand.

Rechtlich sind alle acht Listen gleichgestellt. Was hier steht, ist gemeinfrei, weil jeder Verfasser seit mindestens siebzig vollen Kalenderjahren tot ist – § 64 in Verbindung mit § 69 UrhG, das Sterbejahr jeweils einzeln aus dem GND-Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek belegt. Ein Barockgedicht darf man genauso verwenden wie eines aus der Moderne: nachdrucken, vertonen, auf Karten verkaufen, bearbeiten. Nicht erfasst ist davon eine Übersetzung oder eine neuere Bearbeitung; daran besteht nach § 3 UrhG ein eigenes Recht, und wer eine solche Fassung nutzt, prüft sie gesondert.

Genannt werden muss die Quelle nicht mehr. Sie zu nennen ist trotzdem sinnvoll, weil sonst niemand nachschlagen kann, was gedruckt wurde und in welcher Fassung. Bei jedem Text stehen Verfasser, Lebensdaten und die benannte Druckausgabe; daraus wird eine Zeile, die unter das Gedicht passt. Wird aus einem langen Gedicht nur eine Strophe übernommen – bei einer Karte oft die einzige Möglichkeit –, gehört der Hinweis dazu, dass es sich um eine Strophe handelt, und der Titel des vollständigen Gedichts daneben. Das ist keine Rechtsfrage, sondern Redlichkeit gegenüber dem Text.