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Versbuch

Im Obdachlosenasyl

Alfred Henschke · 18901928

52 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1927

Ich war’n junges Ding,man immer frisch und flink,da kam von Borsig einer,der hatte Zaster und Grips.So hübsch wie er war keinermit seinem roten Schlips.Er kaufte mir ’nen neuen Hut,wer weiß, wie Liebe tut.Berlin, o wie süß,ist dein Paradies.Unsere Vaterstadtschneidige Mädchen hat.Schwamm drüber. Tralala.

Ich immer mit’n mit.Da ging der Kerl verschütt.Als ich im achten schwanger,des Nachts bei Wind und Sturm,schleppt ich mich auf’n Anger,vergrub das arme Wurm.Es schrie mein Herz, es brannte mein Blut,wer weiß, wie Liebe tut.Berlin, o wie süßist dein Paradies,unsere Vaterstadtschneidige Mädchen hat,Schwamm drüber. Tralala.

Jetzt schieb ich auf’n Strich.Ich hab’nen Ludewich.In einem grünen Wagendes Nachts um halber zwee,da ha’m sie mich gefahrenin die Charité.Verwest mein Herz, verfault mein Blut,wer weiß, wie Liebe tut.Berlin, o wie süßist dein Paradies.Unsere Vaterstadtschneidige Mädchen hat,Schwamm drüber. Tralala.

Krank bin ich allemal.Es ist mir allens ejal.Der Weinstock, der trägt Reben,und kommt ’n junger Mann,ich schenk’ ihm was für’s Leben,daß er an mich denken kann.Quecksilber und Absud,wer weiß, wie Liebe tut.Berlin, o wie süßist dein Paradies.Unsere Vaterstadtschneidige Mädchen hat.Schwamm drüber. Tralala.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Harfenjule S. 11–12, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
Digitalisat
de.wikisource.org — „Im Obdachlosenasyl“, Fassung 3.778.636 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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