Es wird mit Recht ein guter Braten
Wilhelm Busch · 1832–1908
25 Zeilen · zuerst gedruckt [1960]
Gerechnet zu den guten Taten;Und daß man ihn gehörig mache,Ist weibliche Charaktersache.Ein braves Mädchen braucht dazuMal erstens reine Seelenruh,Daß bei Verwendung der GewürzeSie sich nicht hastig überstürze.Dann, zweitens, braucht sie Sinnigkeit,Ja, sozusagen Innigkeit,Damit sie alles appetitlich,Bald so, bald so und recht gemütlichBegießen, drehn und wenden könne,Daß an der Sache nichts verbrenne.In Summa braucht sie Herzensgüte,Ein sanftes Sorgen im Gemüte,Fast etwas Liebe insofern,Für all die hübschen, edlen Herrn,Die diesen Braten essen sollenUnd immer gern was Gutes wollen.Ich weiß, daß hier ein jeder spricht:Ein böses Mädchen kann es nicht.Drum hab ich mir auch stets gedachtZu Haus und anderwärts:Wer einen guten Braten macht,Hat auch ein gutes Herz.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Kritik des Herzens. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 2, S. 503, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Es wird mit Recht ein guter Braten“, Fassung 3.779.617 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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