Der Tod des letzten Grafen von Ruppin
Theodor Fontane · 1819–1898
29 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1905
1524.(Nach dem Alt-Märkischen.)
Der edle Herr Wichmann zog jagen aus,Eine „falsche Frau“ ließ er zu HausMit ihren vergüldeten Ringen.
„Ach Karsten mir ist im Herzen so weh,Laß uns heimziehn, daß ich die Mutter seh’,Ich mag nicht länger reiten.“
Sie machten ihm eine Stube heiß,Darinnen ein Bett, so weich und weiß,Drin sollte der Herre ruhen.
Sie schenkten ihm Meth und italischen Wein,Das nahm dem Herrn das Leben sein,Dem edlen Herrn Wichmanne.
„Großmutter und liebe Schwester mein,Steckt in meinen Mund ein TücheleinUnd kühlet meine Zunge.
„Daß ich nun von Euch scheiden soll, –Ach, der bittre Tod, der will es wohl,Und ich möchte so gern noch leben.“
Einen schwarzen Wagen, drin legten sie ihn,Sie führten zu Nacht ihn nach Neuen-Ruppin,Sie begruben ihn in das Kloster.
Sie schossen ihm nach sein’ Helm und Schild,Sie hingen auf sein WappenbildAm Pfeiler im hohen Chore.
Die alte Gräfin murmelte still:„Nun muß ich wollen, was ich nicht willUnd leben, – ich, die Letzte.“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 251–252, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Tod des letzten Grafen von Ruppin“, Fassung 1.661.127 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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