Mondscheintrunkne Lindenblüthen
Heinrich Heine · 1797–1856
23 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1844
Sie ergießen ihre Düfte,Und von NachtigallenliedernSind erfüllet Laub und Lüfte.
„Lieblich läßt es sich, Geliebter,Unter dieser Linde sitzen,Wenn die goldnen MondeslichterDurch des Baumes Blätter blitzen.
„Sieh dies Lindenblatt! du wirst esWie ein Herz gestaltet finden;Darum sitzen die VerliebtenAuch am liebsten unter Linden.
„Doch du lächelst, wie verlorenIn entfernten Sehnsuchtträumen –Sprich, Geliebter, welche WünscheDir im lieben Herzen keimen?“
Ach, ich will es dir, Geliebte,Gern bekennen, ach, ich möchte,Daß ein kalter Nordwind plötzlichWeißes Schneegestöber brächte;
Und daß wir, mit Pelz bedecketUnd im buntgeschmückten Schlitten,Schellenklingelnd, Peitschenknallend,Ueber Fluß und Fluren glitten.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Neue Gedichte. Seite 40-41, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, 1844
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Mondscheintrunkne Lindenblüthen“, Fassung 959.414 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.