Kürzeste Liebe
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
17 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)
Blöde Bauern, die den biedernGruß der Bürger nicht erwidern,Menschen, die mit halben NickenDanken, ohne aufzublicken.Prüde, scheue Frauen, leiseKinder, würdevolle Greise – – –
Aber wenn an Dorf und Feld undWald vorbei dein Schnellzug braust,Du aus deinem Wagen schaust:
Ja dann stehen – stehn auch dieseGanz dir zugewandt am Hange,Vor dem Stalltor, auf der Wiese –.Und sie winken. Winken lange.
Grüßen voll und grüßen freiDich und deine Fahrtgenossen.
Und die reinste Liebe wird vergossenIm Vorbei.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Reisebriefe eines Artisten, S. 57, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Kürzeste Liebe“, Fassung 2.316.953 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.