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Versbuch

Mahnung

Otfried Krzyzanowski · 18861918

23 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1919

Stille! Freund! Es lernt sich alles.Wer die Scham verlernt hat, istJeglichen Verbrechens fähig.

Längst begehrt mein Herz: zu sehenWie im Kampf der Feige kühn wirdUnd wie aus dem kältesten GrauenJäh die Grausamkeit erwacht.

Preist nicht den Gewinn der Arbeit!Ja: der Durst begehrt nach Säure!Wohl! Bedenk: Das Herz verlangt nichtObst: es will gestohlene Früchte.

Meide Worte, die uns rühren:Sie verführen, und im Herzen,Das Verführung schon gekostetUnd verspürt hat, wacht die Tücke.

Schweigt von Gott! Schweigt von der Plage!Glaubens Reden stört die Andacht,Stört die stille Scham des Mannes.Schweigt von Tugend und von Sünde.

Darum still! Und müßt ihr reden,Sprecht in leichten lockern Worten,Die den Tänzer nicht beschweren,Nicht des Weines Licht verdunkeln.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Unser täglich Gift S. 25, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Mahnung“, Fassung 584.221 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Otfried Krzyzanowski starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 128523778 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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