Die Nixen
Heinrich Heine · 1797–1856
30 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1844
XI.Die Nixen.Am einsamen Strande plätschert die Fluth,Der Mond ist aufgegangen,Auf weißer Dühne der Ritter ruht,Von bunten Träumen befangen.
Die schönen Nixen, im Schleyergewand,Entsteigen der Meerestiefe.Sie nahen sich leise dem jungen Fant,Sie glaubten wahrhaftig er schliefe.
Die eine betastet mit NeubegierDie Federn auf seinem Barette.Die Andre nestelt am BandelierUnd an der Waffenkette.
Die Dritte lacht und ihr Auge blitzt,Sie zieht das Schwert aus der Scheide,Und auf dem blanken Schwert gestütztBeschaut sie den Ritter mit Freude.
Die Vierte tänzelt wohl hin und herUnd flüstert aus tiefem Gemüthe:„O, daß ich doch Dein Liebchen wär’,Du holde Menschenblüthe!“
Die Fünfte küßt des Ritters Händ’,Mit Sehnsucht und Verlangen;Die Sechste zögert und küßt am EndDie Lippen und die Wangen.
Der Ritter ist klug, es fällt ihm nicht ein,Die Augen öffnen zu müssen;Er läßt sich ruhig im MondenscheinVon schönen Nixen küssen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Neue Gedichte. Seiten 188-189, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, 1844
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Nixen (Heine)“, Fassung 5.014.412 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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