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Versbuch

Lebwohl!

Rudolf Lavant · 18441915

33 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1880

Es kam zu mir in linden FrühlingstagenDer liebe Traum, den treulich ich gehegt;Jetzt, wo der Sturm die weiße Fläche fegt,Muß ich für immer traurig ihm entsagen.Er narrte lange mich und ist zerronnen,Als ich nach ihm gegriffen mit der Hand,Und mit dem schönen, leeren Trugbild schwandWas heimlich ich gedichtet und gesonnen.

Vorbei! Ich sollte zürnen wohl und fluchen,Dem trügerischen, wesenlosen Bild,Doch immer wieder ward ich weich und mildUnd immer blieb's bei zaudernden Versuchen.Mir ist, als stünd' ich ernst an einem Grabe,Im Auge Thränen, weh das Herz und wund,Und ein „Leb' wohl, leb' wohl!“ von bleichem MundIst alles, was für meinen Traum ich habe.

Er war so schön – ihm muß ich wohl verzeihen.Ob auch für dich es ein Verzeihen gibt?Was spricht für dich? Daß es dem Traum beliebt,Dir launisch Würde, Werth und Reiz zu leihen?Du warst kein Stern, nur eines Irrlichts Flimmer,Und von gemachten Blumen war dein Kranz;Was mich gelockt, war ein geborgter Glanz,Der bloße Widerschein von fremdem Schimmer.

Vorbei! Ich sollte zürnen dir und grollen,Doch immer wieder ward mein Auge naß,Sah ich im Geiste traurig dich und blaß,Und immer blieb's bei halbem, lauem Wollen.Mit fester Hand greif' ich zum Wanderstabe;Du bist mein Schicksal und du treibst mich fort,Doch ein „Leb' wohl!“, ein mildes Abschiedswort,Ist alles, alles, was ich für dich habe.R. Lavant.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Edelsteine deutscher Dichtung. Sammlung bester lyrischer und lyrisch – epischer Gedichte., Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei., Leipzig, 1880
Digitalisat
de.wikisource.org — „Lebwohl!“, Fassung 3.829.927 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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