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Versbuch

Einer meiner Bürsten

Joachim Ringelnatz · 18831934

14 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1933

Deine Borsten wurden weiche Haare,Meine drohen auszugehn.Zweimal im Verlauf der dreißig JahreHab ich dich bewundernd angesehn.

Einmal, als du ganz neu warst,Und jetzt, da mein Zufall sich besinnt,Daß die Zeit verinnt und das Gefühl gerinnt. – –Drei Jahrzehnt, in denen du mir treu warst.

Gibt sich Treue uns so zum Bequemen,Daß wir sie als selbstverständlich nehmen,Dann steht’s schlimm.

Schäme ich mich, einen Bart zu küssen,Der jahrzehntelang meinen Dreck hat küssen müssen?

Alte Kleiderbürste, Küß’chen! nimm!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
103 Gedichte, S. 12–13, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933
Digitalisat
de.wikisource.org — „Einer meiner Bürsten“, Fassung 3.779.190 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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