Kritik
Kurt Tucholsky · 1890–1935
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1919
Da oben spielen sie ein schweres Dramamit Weltanschauung, Kampf von Herz und Pflicht:Susannen attackiert ein ganz infamaPatron und läßt sie nicht.
Ich sitze im Parkett und zück den Faberund schreibe auf ob alles richtig sei;Exposition, geschürzter Knoten – aberich denk mir nichts dabei.
Mein Herz weilt fromm bei jenem lieben Kinde,das lächelnd eine Kindermagd agiert:ich streichle ihr im Geiste sehr gelinde,was sie so lieblich ziert.
Nun sieh mal einer diese süßen Pfoten,dies Seidenhaar mit einem Häubchen drauf –es gibt da sicher manch geschürzten Knoten:ich löst’ ihn gerne auf.
Wer sagte da, daß ich nicht sachlich bliebe?(Nu sieh mal einer dieses schlanke Bein!)Begeisterung, Freude am Beruf und „Liebe“ –:So soll es sein!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Fromme Gesänge, S. 83, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Kritik (Tucholsky)“, Fassung 3.790.846 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.