Hund und Katze
Wilhelm Busch · 1832–1908
32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Miezel, eine schlaue Katze,Molly, ein begabter Hund,Wohnhaft an demselben Platze,Haßten sich aus Herzensgrund.
Schon der Ausdruck ihrer Mienen,Bei gesträubter Haarfrisur,Zeigt es deutlich: Zwischen ihnenIst von Liebe keine Spur.
Doch wenn Miezel in dem Baume,Wo sie meistens hin entwich,Friedlich dasitzt wie im Traume,Dann ist Molly außer sich.
Beide lebten in der Scheune,Die gefüllt mit frischem Heu.Alle beide hatten Kleine,Molly zwei und Miezel drei.
Einst zur Jagd ging Miezel wiederAuf das Feld. Da geht es bumm.Der Herr Förster schoß sie nieder.Ihre Lebenszeit ist um.
Oh, wie jämmerlich miauenDie drei Kinderchen daheim.Molly eilt, sie zu beschauen,Und ihr Herz geht aus dem Leim.
Und sie trägt sie kurz entschlossenZu der eignen Lagerstatt,Wo sie nunmehr fünf GenossenAn der Brust zu Gaste hat.
Mensch mit traurigem Gesichte,Sprich nicht nur von Leid und Streit.Selbst in Brehms NaturgeschichteFindet sich Barmherzigkeit.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Zu guter Letzt. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 4, S. 311-312, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Hund und Katze (Busch)“, Fassung 3.778.688 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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