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Versbuch

Eifersucht

Alfred Henschke · 18901928

41 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1927

Vorzustellen: Michael Jaroschin –Untertänigst – ist mein Name.Wohlgeboren, HochgeborenAuf dem Berge Gaurisankar.Sah von oben stets nach unten,Von den Gletschern in die Täler,Von den Wolken auf die Wipfel,Von der Sonne auf die Erde.

Und so sah ich eines Tages –Vorzustellen: Michael Jaroschin,Sonnengott von Profession –Sah ich eines Tages nachts(Jaroschin scheint auch des Nachts),Sah ich durch ein unverhangnesFenster... die geliebte Frau.

Sah die liebliche, die liebe,Sah die Liebste, die Geliebte – – –In den Armen eines andern –Eines höheren Beamten,Eines niederen Charakters.

Da erbleichte selbst die Sonne,Vorzustellen: Michael Jaroschin,Hob den goldnen Sonnendolch undStieß ihn strahlend durch das Fenster,Stieß dem Mann ihn in den Nacken,Fuhr der Dolch da durch den NackenUnd dem Weibe in die Brust noch:Also lagen auf dem DiwanBeide hingestreckt, durchbohrtVon dem Dolch des Sonnengottes,Vorzustellen: Michael Jaroschin.

Heutet euch, ihr ungetreuenWeiber vor dem Sonnengotte!Ihn betrog die Sonnenfrau,Und sie mußte darum sterben.Vorzustellen: Michael JaroschinHält die Wacht im IrrenhauseAls ein Rächer seiner Ehre,Rächer jeder Mannesehre.In ihm glüht die edle Flamme,Heilige Flamme: Eifersucht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Harfenjule S. 46–47, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
Digitalisat
de.wikisource.org — „Eifersucht (Klabund)“, Fassung 3.489.309 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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