Zum Inhalt springen
Versbuch

Der Deserteur

Alfred Henschke · 18901928

28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1916

Nun hat man mich erschossen,Ich bin ein Deserteur.Mein Blut ist rot geflossenUeber die grüne Wiese her.

Hört Ihr mein Herz noch ächzen?Gibt es Euch keinen Stich?Die Raben, welche krächzen,Haben Hunger auf mich. –

Ich habe ein Mädchen geliebetIn einer fernen Stadt,Nun ist der Traum zerstiebet,Der mich beseligt hat.

Ich bin des Nachts entwichen,Und bin zu ihr entflohn.Die Patrouille kam gestrichen:Bist du schon da, mein Sohn?

Du hast den Eid gebrochen,So tritt in unsre Reihn. –Ich hab’s meinem Mädchen versprochen,Heut nacht bei ihr zu sein! –

Und hast du’s ihr geschworen,Was hältst du auch den Schwur?Du bist umsonst geborenUnd eine Leiche nur.

Man kann nicht Treue bewahrenDem König und seinem Mädchen zugleich.Bald wirst du zur Hölle fahrenOder zum Himmelreich …

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Dragoner und Husaren. Die Soldatenlieder von Klabund. S. 8–9, 5. Tausend, Georg Müller, München, 1916
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Deserteur (Klabund)“, Fassung 2.913.975 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Alfred Henschke

Alle Gedichte von Alfred Henschke ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.