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Versbuch

Aufschrei

Frank Wedekind · 18641918

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1905

Was ich getan, das läßt sich nicht bessern,Es läßt das Gewissen sich nicht verwässern.Ich stehe schuldlos vor meinem VerstandUnd fühle des Schicksals zermalmende Hand.

Der Mut versiegt, es wachsen die Schmerzen,Und öd’ und trostlos wird es im Herzen.Ich bin verstoßen, ich bin verdammt,Ringsher von Rachegluten umflammt.

Wenn jetzt mich Irrsinn lindernd umfinge,Wenn ich verkappt in den Himmel ginge!Verschlossen ward mir die Seligkeit,Ich schliche mich ein im Schellenkleid.

Was ich begangen, läßt sich nicht sühnen.Man schätzt den Klugen, man preist den Kühnen,Allein das Herz, das Herz in der BrustIst sich unendlicher Schuld bewußt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die vier Jahreszeiten, 1. Auflage, Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Aufschrei“, Fassung 3.780.100 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Frank Wedekind starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118629867 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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