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Versbuch

Der sterbende Soldat

Karl Kraus · 18741936

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1920

Hauptmann, hol her das Standgericht!Ich sterb’ für keinen Kaiser nicht!Hauptmann, du bist des Kaisers Wicht!Bin tot ich, salutier’ ich nicht!

Wenn ich bei meinem Herren wohn’,ist unter mir des Kaisers Thron,und hab’ für sein Geheiß nur Hohn!Wo ist mein Dorf? Dort spielt mein Sohn.

Wenn ich in meinem Herrn entschlief,kommt an mein letzter Feldpostbrief.Es rief, es rief, es rief, es rief!Oh, wie ist meine Liebe tief!

Hauptmann, du bist nicht bei Verstand,daß du mich hast hieher gesandt.Im Feuer ist mein Herz verbrannt.Ich sterbe für kein Vaterland!

Ihr zwingt mich nicht, ihr zwingt mich nicht!Seht, wie der Tod die Fessel bricht!So stellt den Tod vors Standgericht!Ich sterb’, doch für den Kaiser nicht!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Ausgewählte Gedichte, S. 58-59, Verlag der Schriften von Karl Kraus (Kurt Wolff), München, 1920
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der sterbende Soldat (Kraus)“, Fassung 3.445.384 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Karl Kraus starb 1936; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2006 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118566288 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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